Blutspende
an der Charité

Wissenswertes über Blut

Blut – wofür wird es benötigt?

Blut gehört zum Wertvollsten, das Menschen zu geben in der Lage sind.

Es ist bis heute noch nicht gelungen, einen dem Blut ebenbürtigen Ersatz, eine Art künstliches Blut, zu schaffen. Jede Zelle und jedes Teilchen hat im Blut – für sich – eine notwendige Funktion, wie zum Beispiel den Transport von Sauerstoff und Nährstoffen, die Abwehr von Krankheitserregern und die Blutstillung sowie den Wärmetransport innerhalb des Körpers. Das lebenswichtige Blut mit seinen vielfältigen Funktionen kann nur der Körper selbst bilden. Es ist durch nichts zu ersetzen. Das macht es so wichtig, dass es Menschen gibt, die ihr Blut für Kranke und Verletzte spenden. Auch das perfekteste medizinische Versorgungssystem ist bei schweren Verletzungen und lebensbedrohlichen Krankheiten ohne Blut nicht funktionsfähig. So erstaunlich es klingt: Der immer weiter steigende Bedarf an Blut ist in erster Linie eine Folge des medizinischen Fortschritts. Viele Operationen, Transplantationen und die Behandlung von Patienten mit bösartigen Tumoren sind nur dank moderner Transfusionsmedizin möglich geworden.

Statistisch gesehen wird das meiste Blut inzwischen zur Behandlung von Krebspatienten benötigt. Es folgen Erkrankungen des Herzens, Magen- und Darmkrankheiten, Sport- und Verkehrsunfälle. Bei schweren Unfällen kann es vorkommen, dass wegen bestimmter innerer Verletzungen mindestens zehn Blutkonserven pro Unfallopfer bereitstehen müssen. In der Urlaubszeit, zum Beispiel in den Sommerferien, sinkt außerdem die Zahl der Spender. Da kann es trotz eingeplanter Sicherheitsreserven zu Engpässen in der Blutversorgung kommen. Der Bedarf an Spenderblut steigt ständig − jeder Mensch kann in die Situation kommen, Spenderblut zu benötigen. Ein großer Teil der Bundesbürger ist sogar mindestens einmal im Leben auf das Blut anderer angewiesen. Durch den Ausbau des Rettungswesens steigen die Chancen bei einem schweren Unfall zu überleben. Dazu gehört aber auch, dass immer genug Blutkonserven zur Verfügung stehen – und die müssen zuvor von jemandem gespendet worden sein!

Blutbestandteile

Blut ist ein komplexes, flüssiges Organ, das aus vielen verschiedenen Bestandteilen besteht und wie so oft kommt es auf die richtige Zusammensetzung an.

Die zellulären Bestandteile machen zwischen 36 und 50 % des Gesamtvolumens des Blutes aus. Dazu gehören die roten Blutkörperchen (Erythrozyten), die weißen Blutzellen (Leukozyten) und die Blutplättchen (Thrombozyten). Der Rest, das sogenannte Blutplasma, stellt sich nach Auftrennung des Blutes in seine Bestandteile als klare wässrige, blassgelbe Oberschicht dar. Plasma besteht überwiegend mit einem Anteil von ca. 90% aus Wasser, der Rest sind darin gelöste Stoffe. Dies sind unter anderem Blutproteine, anorganische Elektrolyte, Glukose und Harnstoffe. Das Plasma ist somit ein wichtiges Transportvehikel, auch Medikamente werden darin, an bestimmte Proteine gebunden, transportiert.

Blutgruppen & Verteilung in der Bevölkerung

Um festzustellen, dass das Blutspenden für uns alle wichtig ist, braucht man nicht viel Phantasie. Unfälle passieren jeden Tag. Krankheiten befallen viele Menschen und können jederzeit jeden treffen. Dabei werden insbesondere im Rahmen der verbesserten Krebsbehandlungsmethoden auch auf diesem Gebiet der Medizin zahlreiche Blutprodukte benötigt. Jeder heute noch gesunde Mensch kann von einer Minute zur anderen auf die Blutspende eines Mitmenschen angewiesen sein. 80 % aller Bundesbürger benötigen einmal in ihrem Leben ein Blutprodukt.

Blut lässt sich immer noch nicht künstlich herstellen. Wir sind froh und dankbar, dass viele Menschen bereit sind, ihr Blut zur Verfügung zu stellen. Leider reicht die Zahl derer, die dies regelmäßig tun, nicht aus, denn der Bedarf wächst stetig durch eine immer älter werdende Bevölkerung und durch erfolgreiche neue Methoden der Medizin, bei denen Blut eine bedeutende Rolle spielt.

Über die Altersgrenze scheiden langjährige Dauerspender aus, die durchschnittlich drei bis viermal im Jahr Blut gespendet haben. Erfreulicherweise kommen immer wieder junge Neuspender hinzu, die aber aus verschiedenen Gründen nicht so häufig Blut spenden können. Daher müssen für jeden älteren ausscheidenden Dauerspender drei Neuspender gewonnen werden.

Insgesamt spenden derzeit knapp 3 % der Bevölkerung Blut. Nur wenn 6 % der Bevölkerung regelmäßig Blut spenden, kann die Versorgung mit Blutpräparaten in Deutschland langfristig ausreichend gesichert werden.

Blutgruppenverteilung in Deutschland

Die Blutgruppe ist die Beschreibung der individuellen Merkmale auf der Oberfläche der roten Blutkörperchen. Wir kennen heute das AB0-System mit den Blutgruppen A, B, 0 und AB. Daneben besteht als zweitwichtigstes Blutgruppensystem das Rhesus System. Beide Systeme wurden durch Karl Landsteiner entdeckt, 1901 das AB0-System und 1940 das Rhesus System. Die beiden häufigsten in Deutschland vorzufindenden Blutgruppen sind die Blutgruppen A mit 43 % und 0 mit 41 % Anteil in der Bevölkerung. Entsprechend groß ist auch der Bedarf an Blutspenden dieser Gruppen, denn unter den Patienten finden sich natürlich diese Anteile ebenso wieder. Beim Rhesus-Faktor haben wir in Deutschland einen Anteil von 85 % der Bevölkerung mit Rhesus positivem Merkmal und 15 % bei denen dieses Merkmal nicht ausgeprägt ist, sog. Rhesus negative Personen. Darüber hinaus gibt es zahlreiche weitere Strukturen auf der Oberfläche der roten Zellen, die als Blutgruppen bezeichnet werden und mit Ausnahme des AB0-, Rhesus- und Kell-Systems nur im Bedarfsfall bestimmt werden.

Blutgruppenverteilung
A Rhesus positiv 37 %
A Rhesus negativ 6 %
0 Rhesus positiv 35 %
0 Rhesus negativ 6 %
B Rhesus positiv 9 %
B Rhesus negativ 2 %
AB Rhesus positiv 4 %
AB Rhesus negativ 1 %

Vererbung von Blutgruppen

Die Mendelschen Erbregeln

Jeder Mensch besitzt ein ganz bestimmtes Blutgruppenmuster. Dieses Muster bleibt das ganze Leben über gleich und wird nach festen Erbregeln, den so genannten Mendelschen Erbregeln, vererbt. Diese Erbregeln wurden nach dem Naturwissenschaftler Gregor Johann von Mendel benannt, der im Jahre 1865 systematisch Kreuzungsversuche mit Erbsen und Bohnen durchführte, deren Erkenntnisse später auf alle geschlechtlichen Fortpflanzungsvorgänge übertragen werden konnten. Als allgemein gültige Vererbungsgesetze wurde die Mendelschen Gesetze jedoch erst im Jahre 1900 anerkannt als weitere Vererbungsforscher (C. E. Correns, E. Tschermak und H. de Vries) unabhängig voneinander ihre Bedeutung erkannten und sie neu entdeckten.

Vererbung der AB0-Blutgruppen

Über die Mendelschen Gesetze ist genau festgelegt, wie die Blutgruppen des Menschen vererbt werden. Das AB0-Blutgruppensystem teilt die Menschen nach den verschiedenen Antigen-Merkmalen der roten Blutkörperchen in Blutgruppen ein: A bedeutet, dass das Antigen A vorhanden ist, dass Antikörper gegen die Blutkörperchenoberfläche der Gruppe B produziert. Menschen der Blutgruppe B besitzen das Antigen B und somit Antikörper gegen die Blutgruppe A. Bei der Blutgruppe 0 sind keine Antigene aber die Antikörper gegen Blutgruppe A und B vorhanden. Menschen der Blutgruppe AB besitzen beide Antigene A und B, jedoch keine Antikörper.

Jeder Mensch besitzt zwei Antigen-Merkmale, jeweils eines wird von der Mutter und das andere vom Vater geerbt. Allerdings wird von einem Menschen auch immer nur eines der beiden Antigene an die nächste Generation weiter vererbt. Beim Neugeborenen setzt sich die Blutgruppe somit aus dem vererbten Merkmal der Mutter und dem vererbten Merkmal des Vaters zusammen. Die Merkmale A und B werden dabei untereinander gleichwertig, gegenüber dem Antigen 0 jedoch dominant vererbt. Durch diese Vererbungsverhältnisse ergeben sich je nach den vererbten Antigen-Merkmalen der Eltern folgende Blutgruppenkombinationen für das Kind:
Das Merkmal 0 wird immer durch das A- oder B-Antigen unterdrückt, also rezessiv vererbt. Das bedeutet, dass bei einer Kombination vom dominanten A- oder B-Merkmal mit dem rezessiven 0-Merkmal, immer die Blutgruppen A oder B dominieren und über den Blutgruppen-Typ entscheiden. Menschen der Blutgruppe A können demnach entweder zweimal das Antigen A (AA, also reinerbig) oder die Genkombination A0 (also mischerbig) besitzen, bei der die Blutgruppeneigenschaft 0 rezessiv vererbt und somit unterdrückt wird. Das Gleiche gilt für Menschen der Blutgruppe B. Sie besitzen entweder die Gen-Kombination BB oder B0. Menschen der Blutgruppe AB besitzen sowohl das Antigen A als auch das Antigen B, da die Antigene A und B untereinander gleichrangig vererbt werden. Eine wichtige Rolle spielen die Blutgruppen-Erbregeln auch bei gerichtsmedizinischen Gutachten oder Vaterschaftsnachweisen, da über die Blutgruppe des Kindes die möglichen Blutgruppen beider Eltern ermittelt werden können.

Vererbung des Rhesus-Faktors

Die Vererbung des Rhesus-Faktors läuft ebenfalls nach den Mendelschen Erbregeln ab. Beim Rhesus-System wird unterschieden zwischen dem Vorhandensein (Rhesus-positiv) und dem Fehlen des Rhesus-Merkmals (Rhesus-negativ). Ist jemand Rhesus-positiv, bedeutet das, dass das Rhesus-Antigen auf den roten Blutkörperchen vorhanden ist, bei Rhesus-negativen Menschen fehlt das Antigen. In der Vererbungsforschung bezeichnet man die Gene, die die Bildung des Rhesus-Antigens bewirken als D-Gene. Menschen, die kein D-Gen besitzen, können kein Rhesus-Antigen bilden und gelten als Rhesus negativ. Jeder Mensch besitzt das Rhesus-Merkmal zweimal, wobei immer nur ein Merkmal weiter vererbt wird. Wie auch beim AB0-Blutgruppensystem wird das Gen D in bestimmter Erbfolge vererbt. Ein Rhesus-positiver Mensch kann die Genkombination Dd (mischerbig) oder DD (reinerbig) besitzen, während ein Rhesus-negativer Mensch (dd) kein D-Gen besitzt. Im Blutspenderpass ist eine erweiterte Rhesusformel (z. B. CcD.ee) zu finden, die vier weitere Antigene des Rhesussystems (die Antigene C,c und E,e) einbezieht. Jeweils zwei C und zwei E-Merkmale können in beliebiger Kombination mit dem Rhesusmerkmal vorkommen.

Werfen Sie doch einmal einen Blick in Ihren Blutspenderausweis und erfahren Sie genaueres zu Ihrem Blutgruppenmuster. Vielleicht gehört gerade Ihr Blut zu der sehr seltenen Blutgruppe AB oder Sie gehören zu den Menschen mit Rhesus-negativem Blut, das immer besonders dringend benötigt wird.

Die Merkmale des menschlichen Blutes

Das Blut erfüllt unzählige, lebenswichtige Funktionen im menschlichen Körper, wobei der Transport von Sauerstoff und anderen lebenswichtigen Stoffen die Hauptfunktion des Blutes darstellt.

 

In den Lungen nimmt das Blut durch Einatmen Sauerstoff auf und transportiert ihn zu den Zellen des Körpers; gleichzeitig wird das Abbauprodukt der Atmung - Kohlenstoffdioxid - vom Blut zu den Lungen transportiert, wo es den Körper durch Ausatmen wieder verlässt.

Durch das Herz angetrieben, transportiert das Blut wichtige Nährstoffe wie Eiweiß, Kohlenhydrate, Vitamine und Fette zu den einzelnen Zellen. Besonders wichtig ist auch der Transport von Hormonen durch das Blut. Sie dienen als Botenstoffe, durch die wichtige Informationen im Körper übermittelt werden und z. B. eine Alarmbereitschaft auslösen. Zur Reinigung des Körpers werden Schad- und Abfallstoffe von den einzelnen Organen zu den verschiedenen Ausscheidungsorganen befördert.

Durch das Blut wird das lebensnotwendige Säure-Basen-Gleichgewicht aufrechterhalten, um eine Übersäuerung des Körpers zu verhindern. Der pH-Wert des arteriellen Blutes eines gesunden Menschen liegt zwischen 7,35 und 7,45.

Um im Körper einen Wärmeausgleich zu schaffen, transportiert das Blut die Wärme durch den Körper. Durch seine große Wärmekapazität trägt es wesentlich zur Aufrechterhaltung der Körpertemperatur im ganzen Körper bei und hält alle lebenswichtigen Organe auf einer konstanten Temperatur von ca. 37 Grad.

Das Blut ist für die Abwehr von Krankheitserregern zuständig. Es produziert Antikörper, um den Körper gegen Erreger immun zu machen. Auch bei Verletzungen wehrt das Blut durch die Gerinnung eine Schädigung des Organismus ab.

Das Blut steht mit allen Organen in Kontakt und ist für nahezu alle Körperfunktionen unerlässlich. Täglich pumpt das Herz bis zu 15.000 Litern Blut durch die Adern.

Wichtig ist das Blut somit auch für den Arzt, denn es gibt genauestens Aufschluss zum Gesundheitszustand des Menschen und ist für eine Diagnose unerlässlich.

Jeder Mensch sollte auf eine gesunde Lebensweise achten, um eine optimale Blutbildung zu ermöglichen und die Blutfunktionen zu unterstützen. Ist ein menschlicher Organismus erkrankt und nicht mehr in der Lage, genügend Blut für das eigene Überleben zu bilden, ist der Patient auf eine Bluttransfusion angewiesen. Gesunde Menschen spenden für diejenigen Blut, bei denen die eigene Blutproduktion gestört ist, denn das menschliche Blut ist einzigartig und kann nur vom menschlichen Körper gebildet werden. Je nach Körpergewicht und Größe besitzt ein gesunder erwachsener Menschen ca. 4,5 bis 6 Liter Blut, was etwa 6 % - 8 % seines Körpergewichtes entspricht. Das Blut zirkuliert in den Blutgefäßen (Arterien und Venen) und ist für nahezu alle Funktionen im Körper lebensnotwendig. Jeder Mensch kann einen gewissen Blutverlust ausgleichen und verkraften: in Abhängigkeit von seinem Körpergewicht kann ein gesunder Erwachsener kann bis zu 1,5 Liter Blut verlieren, ohne dass schwere Schäden auftreten. Bei einer Blutspende werden dem Körper lediglich 0,5 Liter Blut entnommen – gerade mal ein Zehntel der Gesamt-Blutmenge, also eine sehr geringe, vom Körper leicht auszugleichende Menge.

Beträgt der Blutverlust zum Beispiel auf Grund von schweren Unfällen, Verletzungen, Operationen oder bei inneren Blutungen mehr als 1,5 Liter, kann der Körper die Organe nicht mehr mit ausreichend Sauerstoff versorgen. In diesen Fällen können manchmal nur noch Bluttransfusionen das Leben eines Patienten retten.